Stadtbahn Karlsruhe

Lichtkonzept für sieben U-Bahnhöfe
Stadtbahn Karlsruhe, seit 2004
Sieben Bahnhöfe der Stadtbahn Karlsruhe werden in Zukunft unter den Straßen der Innenstadt liegen. Die Entwürfe stammen von den Allmann Sattler Wappner Architekten aus München. Das Projekt wird gestalterisch von Ingo Maurer begleitet. Die Idee, dass Architektur und Licht sich ergänzen, um eine ganzheitliche und kohärente Ästhetik zu entwickeln, war Wunsch des Bauherrn der Stadtwerke Karlsruhe und gab den Anlass für die Zusammenarbeit. Hier steht ‚Kunst am Bau‘ für einen künstlerischen Ansatz, welcher einhergeht mit dem architektonischen Raum, und folglich die Vorstellungen der Architekten erweitert.
Ingo Maurer ist nicht nur bekannt für seine eigensinnige und humorvolle Lampenkollektion, sondern auch für Lichtinstallationen im öffentlichen Raum. Ingo Maurers Entwürfe für U-Bahnhöfe in München haben diese Wartebereiche und Passagen mittels Licht und Farbe in Orte mit hoher Aufenthaltsqualität verwandelt. Die Stationen Westfriedhof, Münchner Freiheit und Marienplatz sind bei Nutzern und Betreibern beliebt, und werden inzwischen häufig von Planern aus anderen Regionen besucht. Die Stadtbahn Karlsruhe begleitet Ingo Maurer gestalterisch seit 2004. Der Entwurf von Allmann Sattler Wappner Architekten für die Stadt Karlsruhe sieht vor, die Innenstadt unterirdisch durch die Stadtbahn zu verbinden. Wie eine unterirdische Leitlinie führt das neue, einheitliche Design von sieben in den Untergrund verlegten Haltestellen der Straßenbahn durch die Innenstadt von Karlsruhe. Die Räume beziehen ihre Kraft und Poesie aus einer zurückhaltenden Gestaltung, die im Kontrast zur optischen und akustischen Reizdichte der darüber liegenden Fußgängerzone steht. Die Kubatur der Halte-stelleninnenräume wird maßgeblich von der Form der jeweiligen Ingenieurbauwerke und der spezifischen städtischen Lage bestimmt. Dadurch erhält jede Haltestelle einen eigenständigen Charakter mit hohem Wiedererkennungswert, der Rückschlüsse auf die äußeren Bedingungen zulässt. Die formal stets reduzierte Gestaltung der Räume verstärkt die Zeichenhaftigkeit der Haltestellenvolumina. Das Konzept sieht zwei Raumkategorien vor, die unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien folgen: Im Transferraum mit Treppen und Zwischengeschossen wird die Konfiguration des Ingenieurbauwerks direkt und ohne bauliche Verkleidungen abgebildet. Der Aufenthalts- und Wartebereich auf Bahnsteigebene hat mit farblicher Homogenität und hellen Oberflächen einen beruhigenden, beinahe meditativen Charakter. Gleiche Materialität von Decke, Wand und Boden sorgt für Reduktion und Fokussierung auf die wichtigen Elemente Straßenbahnen, Schriften und Zeichen. In diesen formal stark reduzierten Innenräumen entspinnt sich die eindringliche Lichtgestaltung von Ingo Maurer. Das Thema Oberleitungen und das vermeintliche Gewirr aus Drähten und Kabeln, das sich über Bahntrassen zieht, ist hier Ausgangspunkt des Lichtkonzepts. In jedem der sieben Bahnhöfe sind Drahtseile quer über beide Bahnsteige gespannt. Ein Segment besteht aus sechs Seilen, wobei jeweils drei nebeneinander liegen und eine Reihe darüber. Auf jeder Seite des Bahnsteigs liegen zehn zylindrische Leuchtstäbe auf den Seilen. Sechs Stäbe sorgen für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Bahnsteige, die vier verbleibenden Leuchten erhellen den Deckenraum. Die zylindrischen Leuchtstäbe liegen auf den Drahtseilen auf. Während die Ausrichtung der Stäbe streng in Fahrtrichtung verläuft, verspringen sie scheinbar zufällig in der Höhe. Darüber hinaus werden die wartenden Fahrgäste am Bahnsteig von farbigen Schatten gerahmt, welche den Wartenden folgen und zu Interaktionen untereinander einladen. Die sichtbare Verspannung von Drahtseilen und Stromkabeln erinnert in ihrer Ästhetik an die Elektrifizierung der Eisenbahn und den implizierten Fortschrittsglauben. Ingo Maurer bezeichnet diese Kabelage als eine Art ‚Industrial Romance‘, in der Technik durch ihre Sichtbarkeit beeindruckt und nachvollziehbar wird. Elektrizität wird spürbar. Die sieben U-Bahnhöfe für die Stadtbahn Karlsruhe sind im Bau.